Spieler des Monats November: Frank Doyle

Auch wenn im Profisport Leistung und Erfolg stets die Messlatte bilden, an der sich ein Team und jeder Spieler zuerst hat messen zu lassen, gelingt es einem wohl selten, menschliche Gesichtspunkte völlig außer Acht zu lassen. Insofern stellt die Wahl zum Spieler des Monats meistens sowohl eine Anerkennung des sportlichen Beitrags des Spielers für den Verein, aber eben oft – in unterschiedlichem Umfang – auch eine persönliche Danksagung dar. Im Fall von Frank Doyle kann man wohl behaupten, dass seine Wahl zum Spieler des Monats November vielleicht auch deswegen so wenig überraschend ist, weil er in beiden Kriterien so hervorragend zu glänzen wusste.

Blicken wir zunächst, wie es sich bei aller Motivbündelung einer solchen Wahl zweifelsohne doch noch gehört, auf das Eis. Doyle startete alle acht Spiele (drei Siege, ein Sieg und eine Niederlage in Overtime, drei Niederlagen nach regulärer Spielzeit) im November für die Haie. Seine Statistiken aus dem Monat – Fangquote bei 89.27%, Gegentorschnitt von 3.20 Treffern pro Spiel – sind jedoch ein typisches Beispiel für Situationen, in denen Zahlen nicht die ganze Geschichte erzählen. In einem Monat, an dessen Ende sich die Führung der Haie gezwungen sah, den Posten des Cheftrainers ein zweites Mal in der laufenden Saison neu zu besetzen und der Appell an die Mannschaft lauter denn je war, standen zwei Worte im Kern der Kritik: Emotionen und Konstanz. Das Fehlen von beidem kann man Frank Doyle vielleicht am wenigsten vorwerfen. Die Umstellung von der kleineren nordamerikanischen Eisfläche machte ihm, wie vielen Landsleuten vor ihm, anfangs zu schaffen, wie er selbst bemerkt. Doch längst wirkt das nicht mehr wie ein Faktor in seinem Spiel. Nicht nur beim dramatischen Sieg gegen den Lokalrivalen aus Düsseldorf war Doyle trotz fünf Gegentoren mit einigen Schlüsselparaden vielleicht stärkster Hai. Aber auch an weniger guten Tagen für das Team, etwa dem 0-6 in Krefeld, war Doyle einer derer, die sich nicht hängen ließen. Sobald die Haie als Mannschaft auftreten, schafft er das, was man von einem Goalie erwartet und was jeder solche sich selbst als Ziel setzt: dem Team eine Chance zu geben, das Spiel zu gewinnen.

Auch Abseits des Eises ist Frank Doyle mittlerweile endgültig in Köln angekommen und hat sich die Sympathie der Fans erarbeitet. Das ist nicht selbstverständlich für einen Spieler, der als Zeitarbeiter eingekauft wurde. Doyle kennt diese Rolle und füllt sie mehr als aus. Er weiß, dass sein Engagement bei den Haien kürzer hätte ausfallen können und stellt keine Ansprüche. Diesen Umgang mit einer schwierigen Situation und seine menschlichen Aussagen darüber rechnen ihm die Fans hoch an. Doyle, als Fan der Toronto Maple Leafs aufgewachsen und heute noch das Team verfolgender Fan, ist ein menschlicher Profi. Der nach einer Niederlage wie gegen Iserlohn am vergangenen Montag niedergeschlagen ist. Der sich dennoch mit den Fans unterhält. Der sich vielleicht nicht ganz ernst, aber nachdenklich fragt, ob er vielleicht „cursed“ (verflucht) sei und deshalb seine Teams – wie zur Zeit Köln, so auch Lowell (AHL) in den vergangenen Jahren – häufiger verlieren als gewinnen. Was man nun genau darüber denkt, ist jedem selbst überlassen; aber fest steht, dass in Zeiten, wo der Begriff des Söldners im Profisport immer häufiger herangezogen wird und vielleicht schon die Regel beschreibt, eine Einstellung wie die von Frank Doyle eine sehr wohltuende Wirkung auf uns hat.

Unser Glückwunsch also an unsere Nummer 30, Frank Doyle, zur Wahl zum Spieler des Monats November. Auf dass sich die Reste des Glaubens an einen Fluch möglichst bald beseitigen. Und, besonders solange er das Haie-Trikot trägt, noch viele Ehrungen hinzukommen werden; denn wenn er sagt, er werde auch nach diesem Jahr bleiben, wenn die Haie ihn noch wollten, kann man kaum anders, als ihm zu glauben. Und sich zu freuen, denn Frank Doyle ist mehr als eine Notlösung. Er ist die zur Tugend gemacht Not – eine Entwicklung, wie wir sie uns für die Saison der Haie alle gerne wünschen.

Text: Henning Hartung – Fotos: Florian Müller