Hattrick für Weibel – Schweizer Goalie ist Spieler des Monats November

Drei Monate lang kam dem Defensivspiel der Kölner Haie zumeist eine nur untergeordnete Rolle zu, drei Mal waren die Auswirkungen unterschiedlich dramatisch spürbar, und drei Mal war sich die Mehrheit der Fans einig: Goalie Lars Weibel ist weit davon entfernt, ein Grund für die schlechten Zahlen auf dem Papier zu sein. So ironisch der Gedanke klingen mag – es hätte alles tatsächlich noch schlimmer ausgehen können. Eine Fangquote von 86% und ein Gegentorschnitt bei sage und schreibe 5,02 in seinen fünf Spielen im November sind Werte, die den zurückhaltenden Schweizer sich gewiss ein bisschen merkwürdig fühlen lassen werden, wenn er am Sonntag erneut die Auszeichnung als Spieler des Monats entgegennehmen wird. Aber letzten Endes ist seine Wahl nicht ansatzweise so absurd, wie es diese blanken und nicht sonderlich wertvollen Zahlen vermuten lassen. Zum einen spielte Weibel keinen wirklich schlechten Monat. Beim Heimsieg über den Meister aus Berlin, dem letzten positiven Höhepunkt der kurzen Ära Pawlow, war er einer der Sieggaranten. Beim mannschaftlich desolaten 0:5 gegen Augsburg bekam er in eigener Halle nicht weniger als 55 Schüsse auf sein Gehäuse. Beim 4:8 gegen Frankfurt ist er der Grund dafür, dass die Haie dieses Spiel überhaupt erst im Schlussdrittel verlieren können; so lange hätte es gar nicht dauern müssen, wenn Weibel sein Team nicht in der Partie gehalten hätte. Zugegebener Maßen war es nicht Weibels bester Monat bisher, die Unmengen an gegnerischen Chancen forderten ihren Tribut und es schlichen sich auch ein paar haltbare Treffer ein. Normaler Weise fallen auch die wenigen Fehler eines Torhüters immer besonders schwer ins Gewicht, da sie sich direkt in Gegentoren zeigen – und so spricht es Bände, dass die Fans so einheitlich der Ansicht sind, dass Weibel dennoch am wenigsten verantwortlich für die jüngste Misere war. Die angesichts der Zahlen ungewöhnliche, aber sportlich keineswegs unbegründete Wahl ist allerdings wohl gleichzeitig auch menschlich zu erklären. In seiner kurzen Zeit in Köln ist Weibel den Menschen bereits ans Herz gewachsen, sicher auch dank seiner zurückhaltenden Art; er ist ein Sinnbild innerer Ruhe. Doch auch ein Lars Weibel ist nur bis zu einem gewissen Punkt leidensfähig, und dieser Punkt wurde im Heimspiel gegen die Lions schließlich überschritten. Als er sich auswechselte, seine Ausrüstung in die Ecke der Spielerbank warf und schließlich seinen angesammelten Frust an den Reserveschlägern ausließ, sahen die Fans die Last, die diese Spiele für ihren Goalie bedeuteten und die viel zu oft nahezu allein auf seinen Schultern ruhte. Insofern zeigt diese neuerliche Wahl auch die Solidarität, mit der die Fans hinter der Person, dem Charakter, dem Menschen Lars Weibel stehen. Vielleicht ergibt diese Wahl also doch auf so vielen Ebenen einen tieferen Sinn. Vielleicht, nein, ganz sicher ist das aber auch überhaupt nicht weiter wichtig. Am 2. Dezember wurde ein Strich unter die Saison bis dahin gemacht, und so ist diese Wahl noch ein Relikt aus einer Zeit, die es nun zu vergessen machen gilt. Wir wünschen unserer Nr. 41, dass er vielleicht nicht mehr ganz so sehr im Zentrum stehen muss; dass er bald wieder „nur“ ein Teil der Mannschaft ist, als der er sich am wohlsten fühlt und seinen Job am besten macht. Und das ist verdammt gut.

Text: Henning Hartung
Foto: Jürgen Peters